Friday, April 4, 2008

Biokraftstoffe: Gabriel stoppt Biosprit-Pläne

Biokraftstoffe: Gabriel stoppt Biosprit-Pläne

Berlin. (red). 4. April 2008. Weit mehr Autos als bisher angenommen vertragen die geplante Beimischung von Ethanol nicht. Deshalb hat Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die vorgesehene E10-Biosprit-Verordnung gestoppt. Zugleich forderte Gabriel, Biomasse nachhaltig und sozialverträglich zu gewinnen - und zwar in allen Bereichen.


Die Bundesregierung wollte zum kommenden Jahr einen neuen Benzinstandard mit der Bezeichnung E10 einführen. Dieser sah vor, dem Super- und Normalbenzin bis zu zehn Prozent Ethanol - also Alkohol - beizumischen. Bislang enthalten diese Kraftstoffe fünf Prozent Ethanol (E5).

Rund 379.000 deutsche Autos könnten nicht mit E10 betankt werden, meldete der Verband der Deutschen Automobilindustrie in dieser Woche. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) gab am Donnerstag an, dass rund 3,3 Millionen Importfahrzeuge die geplante Erhöhung von Ethanol am Benzin nicht vertrügen.

Insgesamt wären damit rund 3,7 Millionen Fahrzeuge betroffen. Deshalb bleibe es nun bei der Beimischung von fünf Prozent für Normalbenzin und Super, kündigte der Bundesumweltminister an. Bereits Anfang der Woche hatte Gabriel in Aussicht gestellt, die Pläne zurückzuziehen, sollten mehr als eine Million Fahrzeuge betroffen sein.

Kein Klimaschutz auf Kosten Einkommensschwächerer

Die Regierung werde nich die Verantwortung dafür übernehmen, "dass wir ein paar Millionen Autofahrer, die in der Regel alte Autos fahren, weil sie nicht so viel Geld verdienen, an die teuren Super-Plus-Tankstellen schicken", sagte Gabriel im ARD-Morgenmagazin.

Die Einführung von so genanntem B7, das ist eine höhere Beimischung von Biodiesel zu Diesel, steht nicht zur Disposition. Auch ältere Dieselmotoren kommen damit problemlos klar.

Mit den höheren Beimischungen von Biokraftstoffen war das Ziel verbunden, der Autoindustrie das Erreichen ihrer Klimaschutzvorgaben zu erleichtern. Eine Auflage der EU-Kommission sieht vor, dass PKW bis 2012 ihren Schadstoffausstoß auf durchschnittlich 120 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer begrenzen.

Dies stellt insbesondere die deutschen Hersteller vor Problemen. Sie haben mehr Mittel- und Oberklassewagen im Programm als ihre europäischen Mitbewerber. Diese Autos sind schwerer und stärker und verbrauchen daher mehr Kraftstoff. Jetzt muss die Fahrzeugindustrie die vorgegebenen Klimaschutz-Ziele mit technischen Mitteln verfolgen.

Biokraftstoffstrategie der Bundesregierung gilt weiter

Die Nutzung von Biokraftstoffen wird trotz des Verzichts auf die Einführung von E10 nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Die EU verfolgt das Ziel, einen Anteil von zehn Prozent Biokraftstoffen am Kraftstoffmarkt im Jahr 2020 zu erreichen. Dieses Ziel wird auch schon mit einer Quote von E-5 und B-7 in Deutschland erreicht.

Darüber hinaus setzt die Bundesregierung auf die Biokraftstoffe der zweiten Generation. Es soll alles getan werden, um die Herstellung im industriellen Maßstab voranzubringen. Diese wesentlich effizienteren Kraftstoffe aus Biomasse werden aber erst ab 2020 im größeren Maßstab zur Verfügung stehen.

Bei Biokraftstoffen der zweiten Generation werden nicht nur die Samen von Ölfrüchten wie Raps verwendet. Die ganze Pflanze kann genutzt werden, was zu einer weitaus höheren Ausbeute führt.

Einsparungen von Treibhausemissionen beim Strom

Die Bundesregierung hält trotz des Biosprit-Problems an ihrem Ziel fest, bis zum Jahr 2020 den Ausstoß des Klimakillers CO2 um 40 Prozent zu senken.

Nun heißt es, mit Hilfe erneuerbarer Energien vier bis fünf Millionen Tonnen CO2 zusätzlich bei der Stromerzeugung einzusparen. Deren Anteil an der Stromproduktion müsse bis 2020 statt auf 27,5 nun auf 30 Prozent steigen, erläuterte Gabriel. Das bringt zusätzlich 10 bis 11 Millionen Tonnen weniger CO2.

Echter Klimaschutz nur mit nachhaltigem Anbau

Gabriel fordert eine veränderte Debatte über die Nutzung von Biomasse. Biomasse sei nicht nur in Bezug auf Biokraftstoffe kritisch zu hinterfragen, betonte der Minister. Auch Storm und Wärme und viele Produkte des Alltags wie Kosmetik und Margarine würden schließlich aus Biomasse gewonnen. Auch hier komme es auf ökologische und soziale Verträglichkeit an, so der Minister.

Umweltschutzverbände hatten in den vergangenen Tagen die Rodung von Urwäldern und landwirtschaftlicher Nutzfläche für den Anbau von Pflanzen für Biokraftstoffe kritisiert. Auch Gabriel forderte, es müsse gewährleitstet sein, dass für Import-Produkte aus Biomasse kein Regenwald abgeholzt werde. Ebenso wenig dürfe der Anbau von Energiepflanzen die Nahrungsmittelproduktion verdrängen.

3mnewswire.org

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