Thursday, March 13, 2008

Wer bist Du, dass Du mich kränken darfst?



Medienprojekt "Die Menschenrechts-Reporter". Foto: 3mnewswire.org

Wer bist Du, dass Du mich kränken darfst?


von Hans-Jürgen Graf

Gehe ich in den Laden um einzukaufen, sind sie da.

Die Menschen, die mich anglotzen, weil meine Kleidung nicht in ist.
Weil sie nicht mehr strahlt und vielleicht das eine oder andere Loch hat.

Weil ich mich heute mal nicht rasiert habe.

Fahre ich in der U-Bahn, habe ich bestimmt zwei Plätze für mich.
Man sitzt nicht gern neben einem, dem man die Armut ansieht und der behindert ist.

Gehe ich durch die Straße, durchbohren mich Blicke von hinten und von vorne. Man schämt sich seiner verachtenden Blicke nicht mehr. Und manchmal bringt man sie auch deutlich zum Ausdruck. Denn lese ich die Schlagzeilen der Tageszeitungen, dann weiß ich wer ich in den Augen der anderen bin.

Ein faules Stück Dreck, das sich hinter seiner Behinderung und Krankheit versteckt. Ein Schmarotzer, der sich an den Fleischtöpfen des Sozialstaates fett fressen will. Nun ja, fett bin ich schon.

Einer, der sich nicht erniedrigen lassen will und für fast gar nix oder überhaupt nix arbeiten will. Einer, den man wie allen anderen, aus den ARGEn “jagen sollte und zur Arbeit prügeln”.

Wer bist Du, dass Du mich kränken darfst? Bist Du derjenige, der den ersten Stein werfen darf, weil er ohne Schuld ist? Hast Du nicht bei Deiner Steuererklärung betrogen? Hast Du nicht die eine oder andere Quittung “ausgeliehen” um besser da zu stehen? Bist Du keiner, der bis vor den höchsten Kadi zieht, weil ihn der seine nackte Rückseite zeigende Gartenzwerg seines Nachbarn nervt? Regst Du Dich nie auf, wenn Dich die Polizei anhält weil Du wissentlich schneller gefahren bist, als erlaubt und versuchst den Beamten zu verklickern, dass Du das ja darfst weil Du einen ganz wichtigen Termin hast? Bist Du nicht so einer, der einem schwer schuftenden Umzugsarbeiter oder Paketausträger, 50 Cent Trinkgeld gibt?

Gehörst Du nicht zu denjenigen, die sich über die Servicewüste Deutschland beklagen, im gleichen Atemzug aber meckern wenn sich die eh schon viel zu gering bezahlten Arbeitskräfte wehren und mehr Lohn verlangen, weil dann Dein Zug nicht fährt, weil Deine Frühstückszeitung nicht auf dem Tisch liegt, weil Du vielleicht einmal ein paar Schritte mehr tun musst in Deinem Leben? Bist Du einer von denen, denen Solidarität mit der eigenen Kaste nur soviel wert ist, dass sie Deine Bequemlichkeit nicht beeinträchtigt?

Du bist keiner, der mich kränken darf! Kehre erst vor Deiner eigenen Türe, schau nach wieviel Dreck dort liegt und dann gehe zu denen die Du als “faules Pack” bezeichnest. Und….oh Wunder…. wahrscheinlich bei den wenigsten findest Du einen solchen Dreckhaufen wie vor Deiner eigenen Tür.

Du darfst mich nicht kränken! Nein, Du nicht!


Weitere Informationen und Beiträge von Hans-Jürgen Graf, Buch-Autor bei: "Deutschland von unten" - http://jesuslovesyou.infopartner.net/wordpress/

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